Die Kreishandwerkschaft

Dithmarschen

Die 2013 neu gegründete Kreishandwerkerschaft Heide (ab 2020 wieder: Kreishandwerkerschaft Dithmarschen) vertritt die Interessen von elf Fach-Innungen und ihren etwa 400 Mitgliedsbetrieben in Dithmarschen. Dabei unterstützen sie die Betriebe in der Ausbildung ihrer Lehrlinge, in der überbetrieblichen Ausbildung und in der Betriebsberatung zu verschiedenen Themen.

Im Gespräch 

mit dem Kreishandwerksmeister


Wir sprachen mit Kreishandwerksmeister Björn Will über die Kreishandwerkerschaft, das Handwerk allgemein, Zukunftsperspektiven und natürlich – Corona.  

Herr Will, welche Bedeutung hat das Handwerk für Dithmarschen?  
Björn Will: Eine sehr große. Wenn man sieht, dass wir bei uns in der Kreishandwerkerschaft rund 400 in elf Innungen organisierte Betriebe betreuen, eine Lohnsumme von rund 104 Mio. Euro verzeichnen und knapp 900 Auszubildende in unseren Reihen haben, dann ist das mehr als nur ein respektabler Wert. Wir stehen damit insgesamt, auch im Hinblick auf die Zahl der Gesamtbeschäftigten im Handwerk, unter den Top 3 Branchen in unserem Kreis – und das in einem touristisch sehr stark geprägten Landkreis.  

Sie sprechen die hohe Zahl der Auszubildenden an – im Verhältnis zur Einwohnerzahl hat Dithmarschen die meisten Handwerks-Auszubildenden bundesweit!  
Björn Will: Das ist richtig. Dithmarschen ist eine Region, in der das Handwerk traditionell einen sehr hohen Stellenwert einnimmt. Das gilt auch für die Ausbildung. Da brauchen wir manchen Vergleich nicht zu scheuen. Wir haben zudem das Glück, viele motivierte junge Menschen für das Handwerk begeistern zu können. Es freut uns, dass Dithmarschen schon oft Landesmeister, Deutsche Meister und Europameister in den Berufswettbewerben gestellt hat. Das zeigt, dass auch die Qualität der Ausbildung stimmt, die Ergebnisse überdurchschnittlich gut sind.  

Es gibt also keine Probleme, offene Ausbildungsplätze zu besetzen?  
Björn Will: In der Regel nicht. Natürlich wünschen auch wir uns manchmal mehr Bewerbungen und vor allem etwas mehr Rüstzeug aus der Schule. Aber im Handwerk galt schon immer: Es zählt nicht, wo Du herkommst – sondern wo Du hinwillst. Im Gegensatz zu vielen anderen Berufsbildern können wir echte Perspektiven aufzeigen und gutes Geld für anspruchsvolle Jobs bieten. Gerade in der heutigen Zeit ist das viel wert!  

Mit der heutigen Zeit meinen Sie die Corona-Pandemie – wie hat die sich auf das Handwerk in Dithmarschen ausgewirkt?
Björn Will: Ganz unterschiedlich. Einige Gewerbe waren natürlich sehr stark betroffen, zum Beispiel die Friseure oder die Kfz-Betriebe, die ihre Autohäuser eine Zeit lang nicht öffnen durften. Insgesamt haben wir in Dithmarschen aber keinen Grund zum Jammern. Insbesondere alle Kolleginnen und Kollegen, die mit Bauen oder Renovieren zu tun haben, sind gut ausgelastet, haben teilweise einen Vorlauf von bis zu acht Monaten. Mir sind Gott sei Dank auch keine großen Auftragsstornierungen bekannt, im Gegenteil: In der Corona-Zeit konnten die Menschen nicht oder kaum in den Urlaub fahren. Stattdessen wird das eigene Zuhause verschönert oder modernisiert, wird gebaut oder investieren die Menschen in Häuser und Wohnungen als Kapitalanlage.

Was wir positiv feststellen und uns bestätigt sehen, ist in der Corona-Krise der Zusammenhalt in den Unternehmen. Man hilft sich, stellt sich noch flexibler auf Kundenwünsche oder eben auch Bedürfnisse von Mitarbeitern oder Kollegen ein. Unsere Leute wurden und werden wertgeschätzt und geschützt, man hält zusammen und nimmt aufeinander Rücksicht. Man kann sagen, dass das Handwerk, dass jeder einzelne Betrieb noch enger zusammengerückt ist. Deswegen bin ich überzeugt, dass wir als Handwerk gestärkt aus dieser Pandemie hervorgehen werden.    

Noch eine Frage zum Thema Ausbildung: Womit gewährleisten Sie in der Kreishandwerkerschaft die hohe Ausbildungsqualität in Dithmarschen?
Björn Will: Da gibt es verschiedene Punkte, die das sicherstellen. Gut ausgebildete und erfahrene Ausbilder und Meister geben ihr Wissen gern weiter. Der schulische Teil ist sehr gut aufgestellt. Nicht zuletzt gemeinsam mit der FH Westküste gibt es Synergieeffekte, zum Beispiel bei trialen Ausbildungswegen. Eine Besonderheit bei uns ist auch, dass Prüfungen zumindest um Hinblick auf den Prüfungsausschuss organisiert sind wie vor 200 Jahren: So werden die Prüfungen von einem Berufsschullehrer, einem angestellten Gesellen und einem selbstständigen Meister abgenommen, und alle haben gleichberechtigte Stimmen. Das ist eine Tradition, die hier außergewöhnlich ist. Ein sehr positiver Aspekt ist auch, dass ein Drittel unserer Azubis dem Handwerk vor Ort erhalten bleibt, mittelfristig sogar zwei Drittel. Dithmarschen hat da ein sehr großes Anziehungspotenzial – hier lässt es sich gut leben und arbeiten.   

Tradition heißt aber nicht Rückschritt?  
Björn Will: Auf gar keinen Fall. Unsere Betriebe sind weit vorne mit dabei, wenn es um moderne Arbeitsmethoden oder die Digitalisierung geht. Ehrbares Handwerk nach alter Tradition und Fortschritt gehen bei uns Hand in Hand. Das zeigt ja im Übrigen auch die bundesweite Imagekampagne des Handwerks. Da wurde das Handwerk in Kinospots, im Internet und auf vielen Kanälen genau so dargestellt, wie es wirklich ist: traditionell und modern, wertschätzend, zukunftsorientiert. Das sind wir, und das haben durch die Kampagne viele Menschen noch besser verstanden, auch konnten wir dadurch nochmal mehr junge Menschen für eine Ausbildung um Handwerk interessieren.   

Wie bewerten Sie für das Handwerk den Standort Dithmarschen insgesamt?  
Björn Will: Sehr gut. Handwerk ist hier anerkannt, und unsere Kunden sind treu. Sie legen viel Wert auf Kontinuität und darauf, wirklich mit Dithmarscher Firmen zusammenzuarbeiten. Und es ist ja auch so: Wenn Sie als Kunde einen Dithmarscher Handwerker anrufen, kommen meist auch Dithmarscher. Und der hat auch ein Interesse, den Auftrag mit einer einwandfreien Leistung abzuliefern, denn er ist hier genauso verwurzelt. Es würde sich schnell herumsprechen, wenn jemand schlechte Arbeit abliefert, das geht hier einfach nicht. Dithmarschen ist für uns also wirklich ein 1A-Standort, auch weil Geschäfte hier wirklich noch per Handschlag besiegelt werden können. Wenn wir hier manche Wirtschaftswunder oder Rekordzuwächse auch nicht mitbekommen – wir bekommen dafür auch kaum globale Wirtschaftskrisen mit. Auch jetzt in Corona-Zeiten zeigt sich, dass unsere Unternehmen hier überwiegend konstant unterwegs sind. Außerdem: Die Lebensqualität gerade im ersten Halbjahr 2020 war doch sicher eine ganz andere, als in einer Großstadt, oder?  

Wenn Sie in die Zukunft schauen könnten – wo würde das Dithmarscher Handwerk stehen?  
Björn Will: Ich sehe da in allen Bereichen gute Perspektiven. Wenn wir uns an das halten, was wir können, und es gut machen, dazu noch moderne und digitale Wege gehen – dann wird unser Handwerk immer goldenen Boden haben. Was mich da auch so sicher macht: Es wird nie Maschinen geben, die uns Handwerker wegrationalisieren können. Was wir machen, ist Handarbeit, ist Qualität, ist nachhaltig und sicher – und zwar über Generationen hinweg. In Dithmarschen vielleicht noch ein Stückchen mehr als anderswo.     

 

Das Interview führte Jan-Ole Claussen.

Für das Foto danken wir der Zeitschrift NordHandwerk.